Maria im Weingarten: Riemenschneider, Raub und Weinberge

Maria im Weingarten: Riemenschneider, Raub und Weinberge

14. März 2026
5 Min. Lesezeit

Die Wallfahrtskirche Maria im Weingarten oberhalb von Volkach beherbergt eine Madonna von Tilman Riemenschneider. 1962 wurde sie gestohlen. Die Geschichte dahinter ist filmreif.

Wer von der Volkacher Altstadt aus den Kirchberg hinaufsteigt, erreicht nach etwa 15 bis 20 Minuten die Wallfahrtskirche Maria im Weingarten. Der Weg führt durch Weinberge, vorbei an einem Kreuzweg von 1864 mit Pilgerstationen aus dem frühen 16. Jahrhundert. Schon der Aufstieg lohnt sich: Der Blick zurück über Volkach und die Mainschleife ist einer der besten der Region.

Die Kirche

Die spätgotische Kirche wurde Mitte des 15. Jahrhunderts unter dem Würzburger Baumeister Kilian Reuter errichtet. Der Chor war 1451 fertig, das Langhaus 1457. Es ist eine einschiffige Hallenkirche mit polygonalem Chorabschluss, typisch für fränkische Landkirchen dieser Zeit.

Die Wallfahrt geht zurück auf eine Pietà aus dem 14. Jahrhundert. Aber berühmt wurde die Kirche durch ein anderes Kunstwerk.

Die Riemenschneider-Madonna

Tilman Riemenschneider, der bedeutendste spätgotische Bildschnitzer Frankens, erhielt 1521 den Auftrag für eine Madonna. Er lieferte 1524 eine lebensgroße Figur der Maria mit Jesuskind, stehend auf einer Mondsichel, umgeben von einem Strahlenkranz mit 50 stilisierten Rosen. Die Madonna im Rosenkranz, wie sie genannt wird, ist eines seiner letzten Marienwerke vor seiner Verwicklung in den Bauernkrieg.

Das Besondere: Die Figur ist ungefasst, also ohne Farbfassung. Das Lindenholz zeigt sich in seiner natürlichen Oberfläche.

Der Raub von 1962

In der Nacht zum 6. August 1962 ließen sich Diebe mit einem Seil durch ein Kirchenfenster ins Innere hinab. Beim Abmontieren fiel die Madonna, der Rosenkranz zerbrach, Engelsflügel und Musizierputten brachen ab.

Was folgte, war eine der aufsehenerregendsten Kunstfahndungen der Nachkriegszeit. Henri Nannen, Chefredakteur des Stern, setzte 100.000 D-Mark Belohnung aus und garantierte den Dieben Straffreiheit bei Rückgabe. Nach Übergabe des Lösegelds wurde das Werk bei Großgründlach nahe Nürnberg gefunden. 1963 kehrte die restaurierte Madonna nach Volkach zurück.

Besuch planen

Die Kirche ist von April bis Oktober geöffnet: Montag, Donnerstag bis Sonntag und an Feiertagen von 10 bis 17 Uhr. Dienstag und Mittwoch geschlossen. Eintritt 2 Euro. Freitags gibt es von Mai bis Oktober um 16:30 Uhr eine Führung am Tor-Eingang.

Hinwandern statt hinfahren

Der schönste Weg zur Kirche führt zu Fuß durch die Weinberge. Vom Hotel aus sind es etwa 20 Minuten bergauf. Wer eine längere Tour daraus machen will: Der Dschungelpfad (8,5 km) führt ebenfalls an Maria im Weingarten vorbei, oder der Rundweg über den Kammerberg (6,6 km).

Zurück in Volkach wartet das Restaurant 1917 mit fränkischer Küche. Und wer die Region noch tiefer kennenlernen will, findet in unserem Blog weitere Ausflugstipps.


Dieser Artikel ist Teil unseres Mainschleife Guide mit allen Tipps für Ihren Aufenthalt an der Mainschleife.